Ev. Buchpreis 2026

- 22.04.2026 - 

Annett Gröschner wird mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet

„Schwebende Lasten“, 2025 bei C. H. Beck erschienen, gewinnt den Evangelischen Buchpreis 2026. Diese Entscheidung gibt der Vorsitzende des Evangelischen Literaturportals, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, bekannt. Der Leser:innenpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird Annett Gröschner am 20. Mai um 17 Uhr im Heilig-Geist-Saal in Nürnberg verliehen.

Zwischen Blumensträußen und Krananlagen, zwischen Armenviertel und Schwermaschinenbau entfaltet Annett Gröschner in Schwebende Lasten das Leben einer Frau und ein Jahrhundert deutscher Geschichte.
Wie ein roter Faden ziehen sich die Blumen durch Hannas Leben und auch durch den Text. Sie bilden einen Kontrast zur nüchternen Sprache des Romans und geben außerdem Struktur: Jedes der Kapitel ist mit einem Blumen- oder Insektennamen aus dem Gemälde überschrieben, das Hanna ihr Leben lang fasziniert. Die Blumen symbolisieren Trost und Schönheit, die Unmöglichkeit des Straußes ist gleichzeitig Symbol der Vergänglichkeit.
Hanna ist eine stille Heldin, deren Verdienst im Durchhalten und Weitermachen liegt und die trotz aller Krisen, Rückschläge,
Veränderungen und Umbrüche niemals ihre Menschlichkeit verliert. Sie erlebt das 20. Jahrhundert nicht als politische
Akteurin, sondern als eine Frau, deren Leben von Arbeit, Fürsorge, Verlust und dem täglichen Durchhalten geprägt ist.
Sie ist keine Widerstandskämpferin, aber noch weniger eine Opportunistin. Hanna balanciert zwischen Auflehnung und
Anpassung und trifft ihre Entscheidungen nicht aus ideologischen Gründen, sondern lässt sich von Menschlichkeit und
Anstand leiten. Gerade darin liegt die politische Kraft des Romans, denn Gröschner zeigt, dass Geschichte nicht nur von
Parolen, Systemen und Machtverhältnissen geprägt wird, sondern von vielen unsichtbaren Entscheidungen gewöhnlicher
Menschen. Hanna Krause steht somit für unzählige andere Frauen, die keine Stimme erhalten.
Erzählt wird der Roman in unaufgeregter, präziser und doch poetischer Sprache. Mit sparsamen Worten verdichtet Annett
Gröschner Hannas Alltag zu einer großen Erzählung, die Nähe schafft, ohne sentimental zu werden, und Haltung zeigt, ohne zu urteilen. So entsteht ein Roman von großer emotionaler und historischer Tiefe, der lange nachhallt.
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Susanna Hocher

Quelle: Quelle: Susanna Hocher

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